Archiv für den Monat: Januar 2024

Gegen den Strom

Nach der Lektüre eines Artikels über die Ausstellung „Geniale Frauen- Künstlerinnen und ihre Weggefährten“ im Buccerius Kunst Forum in Hamburg stand für mich fest, diese zu besuchen.

Die Ausstellung zeigt den Werdegang herausragender Künstlerinnen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, die „gegen den Strom“ geschwommen sind. Mit rund 150 Werken von 30 Künstlerinnen wird der Kontext beleuchtet, in dem sie gearbeitet haben. Durch die Gegenüberstellung ihrer Werke mit Werken ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Malerkollegen werden ihre Karrieren sichtbar gemacht.

Katharina von Hemessen, Selbstporträt

Die Ausstellung startet mit diesem Bild von Katharina Hemessen, dem frühesten Selbstbildnis, auf dem sich ein Maler oder eine Malerin arbeitend an einer Staffelei darstellt. Katharina erhielt ihre Ausbildung in der Werkstatt ihres Vaters; ihr Leben und Werk ist Teil des ersten Kapitels der Ausstellung: „Töchter, Väter, Brüder“

Entsprechend spannend gestalten sich die weiteren Kapitel im Kunstforum, die die gesellschaftlichen Konstellationen der unterschiedlichen Wege der Frauen zeigen.

Die groben, rauen Darstellungen malte der Bruder, die feinen, zarten Linien die Schwester.

Hier eine weitere Möglichkeit malen zu können: züchtig und behütet von der Familie.

Die weiblichen Wege zur Kunst waren so unterschiedlich wie das Leben selbst. Die Gliederung in „Bewusst ohne Ehemann“, „Karriere vor der Ehe“, „Malen mit der Familie“ und „Künstlerinnen an Hof“ überzeugt.

Nach der Eheschließung geriet allerdings für viele Malerinnen das künstlerische Schaffen in den Hintergrund. Nur wenige Frauen malten im Verbund mit ihren Ehemann.

Lavinia Fontanas Werk sticht besonders heraus. Sie beschränkt sich nicht auf Porträts oder Stillleben mit Blüte und Obst, sondern malt „Gesamt-Szenen“. Hier die Geburt Christi bei Nacht:

Lavina Fontana

Sehr faszinierend war zu erfahren, dass einige Künstlerinnen so einen ausgezeichneten Ruf sich erworben hatten, dass sie die Werkstätten ihrer Väter übernehmen konnten oder dass sie in Accademien (z.B. di San Lucca, Rom) aufgenommen wurden. Darüberhinaus gründete Elisabetta Sirani in Bologna eine Malschule ausschließlich für Frauen.

Ausstellung bis 28. Januar 2024 in Hamburg, anschließend in Basel

Atelier LK unterwegs, Januar 2024

Rendezvous mit der Kunst

Mit und nach der wunderbaren Lektüre von „Zauber der Stille“ von Florian Illies war ich auf den Spuren von Casper David Friedrich unterwegs.

Nachdem zuvor ein ganzer Kurs meiner Malschule sich mit dem Zyklus der 4 Elemente malerisch beschäftigt haben, passte die Aufbau dieses Buches ins Geschehen. Nicht nur Casper beschäftigte sich mit den Fragen: „Wer bin ich?“ „Was treibt mich an?“ „ Was fühle ich?“

Da war es eine logische Konsequenz, sich zur ersten großen Ausstellung zu seinem 250. Geburtstag nach Hamburg aufzumachen und seine „Kunst für eine neue Zeit“ anzuschauen.

Die Hamburger Kunsthalle präsentiert über 60 Gemälde und rund 100 Zeichnungen, darunter zahlreiche ikonische Schlüsselwerke. Damit bietet die Ausstellung das umfangreichste Panorama seiner Kunst.

Beim Selbstbildnis laufen ihm vielleicht die Farben von der Palette; doch im Mittelpunkt steht das Verhältnis von Mensch und Natur. Eine Landschaft war zu seiner Zeit noch keine eigenständige Gattung!

Doch er bedrängt uns fast mit seinen Emotionen auf seinen Werken, seien es die grandiosen Darstellungen von Himmel und Wolken, von Licht und Schatten, aber auch der feingliedrigen und detaillierten landschaftlichen Wiedergabe.

Auch wenn sich viele Gegenwartskünstler intensiv mit den Sujets von CDF auseinandergesetzt haben…. so kann ihm höchstens die neuzeitliche Fotografie das Wasser reichen.

Er (der Mensch) maßt sich an, alles zu wissen, alles zu verstehen, enträtseln und beherrschen zu wollen. Das „unerforschliche Jenseits“ entziehe sich jedoch „ solch eitlem Dünkel“. Im Zentrum dieses Bildes steht demnach für ihn, „ was heilige Ahnung nur ist“ und „nur im Glauben gesehen und erkannt“ werden kann.

Alles gipfelt in der Frage: Wer kennt die Sehnsucht? Ausstellung in Hamburg bis 1. April 2024

Atelier LK unterwegs, Januar 2024